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Pflege ohne Heim? Diese Alternativen gibt es!

In Deutschland werden die meisten Pflegebedürftigen zuhause versorgt – doch es gibt mehr Möglichkeiten als nur das klassische Pflegeheim oder die häusliche Pflege. Tagespflege, Alten-WGs, Demenz-WGs oder Mehrgenerationenhäuser bieten spannende Alternativen, die Pflege und Gemeinschaft vereinen.
zwei Damen umarmen sich

Pflegebedürftig sein, heißt nicht gleich Endstation Heim. Es gibt zahlreiche Alternativen für Pflegebedürftige, sich das Leben weiterhin so gestalten zu können, wie sie es selbst wünschen – auch ohne Pflegeheim.


In Deutschland leben laut statistischem Bundesamt knapp 800.000 Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen. Der Rest der insgesamt 5,6 Mio. Pflegeempfänger wird in häuslicher Umgebung versorgt. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, dass es keine anderen Konzepte zur Unterbringung und Versorgung gibt. Das ist jedoch ein Trugschluss. In die oben genannten Zahlen werden auch diejenigen eingerechnet, die in einem alternativen Pflegesetting versorgt werden. Was für Alternativen es gibt klären wir hier.

Tagespflege/Nachtpflege

In Tages- bzw. Nachtpflegeeinrichtungen werden die Pflegeempfänger entweder über den Tag oder über die Nacht hinweg betreut. Die Konzepte variieren von Einrichtung zu Einrichtung, aber grundsätzlich ist in der Tagespflege eine längere Betreuung in einer Gruppe mit mindestens einer gemeinsamen Mahlzeit vorgesehen. In der Tagespflege gibt es meistens verschiedene Gruppenaktivitäten und Einzelangebote, wobei auch immer die pflegerische Grundversorgung gewährleistet ist (z.B. Hilfe beim Toilettengang). Bei der Nachtpflege verbringen die Menschen die Nacht in der Einrichtung und kehren dann den Tag über nach Hause zurück.

Für wen ist das Angebot geeignet?

Grundsätzlich eignet sich das Angebot für alle Pflegeempfänger, da insbesondere die Tagespflege zu einem Austausch und Aktivierung beitragen kann. Daher kann es Einsamkeit entgegenwirken und insbesondere an Demenz erkrankte Menschen profitieren von der durchgehenden Betreuung. Ein gewisses Maß an Mobilität sollten die Teilnehmer jedoch mitbringen, sei es zu Fuß oder im Rollstuhl. Voraussetzung ist auch, dass sich die Pflegeempfänger an die neue Umgebung gut gewöhnen können, um die Zeit dort genießen und nutzen zu können.

Vorteile:

  • Angehörige werden enorm entlastet
  • Kosten werden teilweise durch die Pflegekassen übernommen
  • Austausch in der Gruppe wird gefördert
  • Einsamkeit wird vorgebeugt
  • Je nach Einrichtung gibt es auch ergotherapeutische Angebote
  • Versorgung und Betreuung durch Fachpersonal

Nachteile:

  • Bei zu großem Pflegeaufwand (z.B. Bettlägerigkeit) kann das Angebot nicht wahrgenommen werden
  • Gewöhnung an neue Personen und Umfeld muss stattfinden
  • Wenig freie Plätze teilweise mit Wartezeit
  • Nicht alle Kosten werden übernommen

Alten- Wohngemeinschaft oder Alters-WG

Unter diesem etwas ungewöhnlichen Begriff sammeln sich verschiedenste Lebens- und Wohnformen. Viele Menschen träumen davon sich mit zunehmendem Alter zu verkleinern und in einer neuen Gemeinschaft zu leben. Teilweise auch Seniorenwohngemeinschaft genannt gibt es verschiedene öffentliche oder private Träger, die solche Unterbringungsmöglichkeiten anbieten. Oftmals gründen sich die Wohngemeinschaften auch privat aus einem Freundes- oder erweiterten Familienkreis heraus.  Inzwischen gibt es auch verschiedene kommerzielle Anbieter, die seniorengerechte Wohngemeinschaften vermitteln oder neugründen.

Dabei ist das Angebot so bunt wie man es sich nur vorstellen kann. Von Aussiedlerhöfen mit eigenen Wohneinheiten auf dem Land bis zu mondänen Stadtwohnungen in denen nur einzelne Zimmer bezogen werden und der Küchen/Badbereich geteilt wird, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch die Frage wie sich die Hausarbeit aufgeteilt wird oder wieviel man sich in gemeinschaftliche Tätigkeiten einbringt ist sehr individuell. 

Pflegebedürftigkeit ist inzwischen je nach Wohngemeinschaft auch kein Hindernis mehr. Bei WG- Neugründungen können inzwischen verschiedene Fördermittel ausgeschöpft werden z.B. für Haushaltshilfen, Umbaumaßnahmen oder als Anschubfinanzierung. Trotzdem eignet sich eine solche Wohngemeinschaft am meisten für flexible Junggebliebene, die einer Veränderung nicht abgeneigt sind.

Vorteile:

  • Individuell an die eigenen Bedürfnisse anpassbar
  • Leben in Gemeinschaft kann Einsamkeit verhindern
  • Durch verschiedene Mittel gefördert
  • Kosten können geteilt werden

Nachteile:

  • Frühzeitige Planung nötig, wenn Neugründung stattfinden soll
  • Freie Plätze nicht einfach zu finden
  • Wohnkonzept erfordert Flexibilität
  • Konflikte mit Mitbewohnern nicht auszuschließen
  • Aufwand bei Neugründung

Falls Sie sich weiter informieren möchten oder gezielt nach einer Wohnung suchen wollen, finden Sie hier nützliche Internetlinks:

Verein für gemeinschaftliches Wohnen

Private Angebotsseite mit Informationen, Geboten und Gesuchen

Demenz- Wohngemeinschaften

Wohngemeinschaften für dementiell erkrankte Menschen stellen für diese eine Alternative zum klassischen Pflegeheim dar. Insbesondere wenn die Betroffenen eine rund um die Uhr Betreuung benötigen, sind Angehörige oftmals nicht in der Lage, diese im eigenen Zuhause zu gewährleisten. In der Demenz- WG ist rund um die Uhr professionelles Pflegepersonal anwesend, um diese Betreuung zu gewährleisten und falls nötig die Pflege zu übernehmen. Ansonsten unterscheiden sich die Demenz-WGs nicht von anderen Wohngemeinschaften. Bad und Küche werden geteilt, Haushalt soweit möglich von den Bewohnern übernommen. Gekocht und gegessen wird ebenfalls gemeinsam, wodurch ein gutes Gemeinschaftsgefühl entsteht. Die Anwesenden Pflegekräfte sind speziell geschult und unterstützen die Bewohner in ihrer Selbstständigkeit. Bei der Einrichtung der Zimmer, werden hauptsächlich eigene Möbel mitgebracht, weshalb schnell ein Gefühl von “Zuhause” einstellt. 

Vorteile:

  • 24h Betreuung ist gewährleistet
  • Relativ hohe Selbstbestimmung im Alltag
  • Leben in einer Gemeinschaft
  • Wohnliche Atmosphäre
  • Kosten werden teilweise von Pflegekasse übernommen

Nachteile:

  • Plätze nicht immer verfügbar
  • Eigenanteil der Kosten kann etwas höher sein
  • Gewöhnung an neue Umgebung kann teilweise schwerfallen

Eine Übersicht der deutschen Alzheimergesellschaft finden Sie hier

Mehrgenerationenhaus

Was nach wohnen klingt ist in den meisten Fällen eher als Ort der Begegnung und des Austauschs zu verstehen. Meistens von Vereinen getragen, richtet sich das Angebot an Jung und Alt und reicht von Nachbarschaftshilfe, gemeinsamen Mittagessen bis hin zu Smartphonekursen für Senioren. Mehrgenerationenhäuser werden teils auch staatlich gefördert und sollen die Gemeinschaft in den jeweiligen Nachbarschaften fördern, da es nur noch wenige Familien gibt, in denen alle Generationen unter einem Dach zusammenleben. 

Die Angebote sind sehr vielfältig und meistens ist für jeden etwas dabei.

Vorteile:

  • Förderung des sozialen Miteinanders & Vermeidung von Einsamkeit
  • Angebote für Jung & Alt – von Betreuung bis Freizeitaktivitäten
  • Oft staatlich gefördert, daher kostengünstige oder kostenlose Angebote
  • Keine Verpflichtungen – man kann Angebote flexibel nutzen
  • Möglichkeit zur gegenseitigen Unterstützung im Alltag

Nachteile:

  • Nicht immer als feste Wohnform verfügbar, eher als Begegnungsstätte
  • Kein direkter Ersatz für häusliche Pflege oder stationäre Einrichtungen
  • Angebot variiert stark je nach Standort – nicht überall vorhanden
  • Soziale Interaktion erforderlich – für introvertierte Menschen evtl. ungeeignet

     

Wo sich in ihrer Nähe ein Mehrgenerationenhaus befindet, erfahren Sie hier